Jahresbericht 2019 des Präsidenten

Meinem ersten Jahresbericht als Präsident der Stadtschützen stelle ich ein Zitat von, wie könnte es anders sein, " Antoine de Saint – Exupéry voran:

« Im Leben gibt es keine Lösungen. Es gibt nur Kräfte die in Bewegung sind – man muss sie erzeugen und die Lösungen werden folgen. »

Die Stadtschützen und ihr Vorstand haben im vergangenen Jahr oft Kräfte erzeugt und Lösungen gefunden. Nach dem vorangegangenen Jubeljahr 2018 mit dem 200 Jahr Jubiläum fand mein erstes Präsidialjahr in ruhigen Gewässern statt. So habe ich den Jahresbericht für die GV im März begonnen. Es sollte anders kommen. Der Coronakäfer hat verhindert, dass wir eine ordentliche GV durchführen können. Plötzlich fanden wir uns in einer bedrohlichen Situation wieder, welche wir bis anhin nur aus dem Fernsehen, in der Dritten Welt, kannten. Drastisch wurde uns die Verletzlichkeit unserer Zivilgesellschaft vor Augen geführt. Menschen, Verwandte und Freunde erkrankten ernsthaft und plötzlich sah man hinter den nackten Todesfallzahlen Gesichter Liebgewonnener. Gleichzeitig mussten wir schmerzlich erfahren, dass nicht einmal einfachste Medikamente wie Dafalgan und Treupel sowie Desinfektionsmittel oder Masken verfügbar waren. Viele wichtigen Grundstoffe und Medikamente werden heute, statt hier in der Schweiz, nur noch im fernen Ausland produziert. Diese Abhängigkeit wird uns sicher noch politisch beschäftigen. Sicher ist auch, dass uns die Schutzmaßnahmen noch lange begleiten und das gesellschaftliche Denken und Handeln sowie das Schiesswesen beeinflussen werden.

Nun zum letzten Vereinsjahr:

Wie mein Vorgänger letztes Jahr geschrieben hat, ist es ausser Zweifel, dass wir Schützinnen und Schützen in einer breiteren Öffentlichkeit ein Imageproblem haben. Die verlorene Abstimmung zum neuen Waffenrecht, was sich allerdings leider von Anfang an abzeichnete, unterstreicht dies. Ich bin überzeugt, dass wir nur mit einem gesamtheitlichen Ansatz diese Situation verbessern können. Im Zentrum steht unsere Schiesstätigkeit. Damit überzeugen wir mit unserer sportlichen Aktivität, generieren Nachwuchs und leisten unseren Beitrag zur Wehrbereitschaft unserer Staatsbürgerinnen und -bürger.

Dazu kommen unsere gesellschaftlichen und freundeidgenössischen Verpflichtungen. Mit dem alljährlichen Zibelegrind markieren wir schweizweit unsere gesellschaftliche Verantwortung. Für viele Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Sport, Armee und Schiesswesen ist dieser Anlass nicht mehr von der Agenda wegzudenken. Unserem Obmann, Adrian Verdun und seinem Team sei herzlich gedankt.

Die Gilde der Zibelegrinde unterstützt uns auch auf vielfältige Weise. Heute wird der amtierende OZG, Christian Vifian, zum ersten Mal den Förderpreis der Gilde der Zibelegrinde überreichen. Dazu kommen unsere kameradschaftlichen Kontakte zu andern Gesellschaften. Besonders intensiv habe ich die Verbundenheit mit:

  •  den Feuerschützen Basel
  •  den Stadtschützen Zürich
  •  den Stadtschützen Olten
  •  den Stadtschützen Luzern
  •  der Schützengesellschaft Lenzburg
  •  und der Arcebuse Genf

erlebt. Das Gleiche gilt für unsere Teilnahmen bei Historischen Schiessen.

Murten – Rütli – Morgarten als Beispiele.

Zusätzlich ist unsere Gesellschaft Hort der kameradschaftlichen Kontaktpflege. Sei das in der Gesellschaft selber, sei das in den Historischen Gruppen und im EVK. Es ist mir ein Anliegen, dem langjährigen Obmann des EVK, Max Baumgartner für sein grosses Engagement zu Gunsten des Schützenwesens im Allgemeinen und für das EVK in Besonderen zu danken. Max, Du hast ein gesundes EVK deinem Nachfolger, Ivo Maritz, übergeben. In den Dank für geleisteter Dienste möchte ich Paul Schumacher, den langjährigen Verantwortlichen für das Schiesswesen des EVK einschliessen. Dem neuen Obmann wünsche ich gutes Gelingen.

Mit all diesen Aktivitäten können wir das Schützenwesen fördern. Es reicht nämlich nicht, immer wieder zu repetieren, dass früher der Präsident SSV der "achte Bundesrat" gewesen sei. Wir müssen uns den heutigen Realitäten stellen.

Dafür müssen wir alle zusammen für unsere gemeinsame Sache einstehen, Fernab von Eigen- und Partikularinteressen. Wir müssen unsere Kräfte konzentrieren. Unser Schützenwesen ist immer noch so organisiert wie vor Jahrzehnten. Es steht mir nicht zu, die vielen Hierarchiestufen zu beurteilen. Eines ist aber sicher. Das Schiessen findet bei uns in der Gesellschaft statt. Darum wollen wir unsere Kräfte in erster Priorität unseren tollen Stadtschützen widmen.

Damit komme ich zu unserem Schützenjahr.

Mit berechtigtem Stolz dürfen die Stadtschützen wiederum auf ein sportlich erfolgreiches Jahr zurückblicken. Der OSM hat das in seinem Bericht eindrücklich dargelegt.

Die gute Leistung mit dem Gewehr beim traditionellen Rütlischiessen sind Tradition. Mit dem dritten Rang schafften wir es aufs Podest und wir kehrten mit einem strahlenden Gewinner des Rütlibechers in der Person unseres Vizepräsidenten nach Bern zurück.

Wir dürfen auch Marco Nauer zum Schweizermeister Titel 2019 mit dem Karabiner gratulieren.

Mit Genugtuung ist festzustellen, dass sich 2019 sowohl Beteiligung als auch Resultate gegenüber dem Vorjahr weiter verbessert haben. Ich wünsche mir, dass unsere Mitglieder zahlreicher am Feldschiessen teilnehmen.

Thomas Länzlinger als OSM und sein Team leisten Hervorragendes. Ich verweise auf seinen Bericht im Stadtschütz I/20. Im Namen von uns allen: Besten Dank Thomas!

Freude bereitet auch unsere Pistolensektion unter der geschickten Führung von Ernst Stäger. Einerseits steigt die Mitgliederzahl und anderseits werden immer bessere Resultate geschossen. Höhepunkt war wohl die Einweihung der Standarte der Pistolensektion anlässlich des Rütli Pistolenschiessens.

Ein Augenapfel ist unsere Armbrustsektion mit dem Armbruststand in Zollikofen. Sepp Wenger wirkt mit Herzblut. Höhepunkt war die Teilnahme am Eidgenössische Schützenfest in Ringgenberg mit zwei Gruppen. Es wurde sieben Firmenanlässe, ein Fägeranlass und das Volksschiessen durchgeführt. Das sind allesamt gelungene Aktionen um unseren Geist hinauszutragen.

Das Beste, was wir haben, ist unser Nachwuchs. Sei das über 300 m wie auch über 10/50 m. Stellvertretend gratuliere ich Cedric Kräuliger für seine Silbermedaille an den Berner Finaltagen 10 m 2020. Daniela Kirchen und ihr Team haben mit viel Engagement unsere Junioren gefördert. Dafür danke ich ihr und ihren Mitstreitern aufs herzlichste. Kameradinnen und Kameraden. Unser Nachwuchs ist die Zukunft unserer Gesellschaft. Tragen wir Sorge dazu und integrieren wir sie in unseren Reihen.

Gutes Beispiel war der Stadtschützenabend im Zoffingerhaus in Bern, wiederum hervorragend organisiert durch Jennifer Herren, welcher von auffallend vielen Jungschützen in äusserst gepflegter Kleidung besucht wurde.

Die Stadtschützen Bern sind seit über 100 Jahren ständige Gastsektion auf dem Rütli. Wir sind die einzigen, die das legendäre Rütlizelt aufstellen dürfen. Wahrlich ein Höhepunkt in unserem Schützenjahr. Dem neuen Obmann, David Hofer, und seinen Helfern sei für die unvergessliche Rütlifahrt 2019 gedankt. Oberzibelegring Sämi Spreng hat uns zum wiederholten Male die weitherum bekannte Hamme von Signau gespendet. Sämi – bersten Dank!

Eine Gesellschaft kann nur mit einem engagierten Vorstand prosperieren. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass die Stadtschützen Bern in dieser privilegierten Lage sind. Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen für ihr Wirken. Ich danke auch den beiden abtretenden Rechnungsrevisoren Philippe Pfister und Werner Stauffer für ihren jahrelangen Einsatz zu Gunsten der Stadtschützen.

Den Stadtschützen Bern und dem Vorstand wünsche ich ein schallendes vivat, crescat, floreat!

Divisionär Melchior Stoller,
Präsident Stadtschützen Bern

Kirchlindach, 29.04.2020

 

30.04.2020 / Victor Maeder