Sportschiessen: Laura Wittmer

Artikel aus dem Morgenblatt 'drWecker' Bremgarten BE

 

 

Ein klares Ziel vor Augen

 Jährlich ziehen traditionelle Schützenfeste in der Schweiz tausende Schützen und Interessierte an. Die Tradition lebt unvermindert weiter. Laura Wittmer ist eine von ihnen. Mit 15 Jahren absolvierte sie ihren ersten Jungschützenkurs bei den Stadtschützen Bern. Das war 2016, mittlerweile ist sie schon vier Jahre begeisterte Schützin. Was sie an diesem Sport fasziniert, hat sie dem «Wecker» bei einem Besuch erzählt.

Tradition und Sport wird im Schützenverein kombiniert, dazu kommt ein grosser Kameradschaftssinn. Laura Wittmer berichtet begeistert von der Atmosphäre im Verein, wo alle, egal welchen Alters oder Geschlechtes (es gibt überraschend viele Frauen), freundschaftlich miteinander umgehen. Grundsätzlich duzen sich alle und am Anfang fiel es ihr schwer, gerade auch ältere, erfahrenen Schützen einfach zu duzen. Der Zusammenhalt und die Unterstützung untereinander ist wichtig. Natürlich ist es das Ziel jedes Einzelnen, sich beim Schiessen zu verbessern. Doch das ist nur ein wichtiger Punkt im Training und im Wettkampf. Das Zusammensein, die Gespräche und die Gemeinschaft sind zentral. So sind auch die gemeinsamen Besuche bei den traditionsreichen Schützenfesten, wie zum Beispiel das Murtenschiessen im Juni, Vereinsanlässe.

 Sport mit Tradition 
Laura Wittmer besucht seit vier Jahren den Jungschützenkurs. Dieser kann von Jugendlichen, die im Jahr des ersten Besuchs ihren 15. Geburtstag feiern, besucht werden. Bis sie 20 Jahre alt sind, können sie in dieser Kategorie aktiv sein. Im Kurs, der auch als militärische Vorbildung fungiert, wird mit dem halbautomatischen Sturmgewehr 90 (SG 550) geschossen, der Zivilversion des Sturmgewehrs 90 des Schweizer Militärs. Es wird liegend auf eine Zieldistanz von 300 Metern geschossen. Gewehr 300 Meter gilt als traditionsreichste Disziplin im Schweizer Schiesswesen.
Erste historisch erwähnte Schützenwettbewerbe wurden schon im 15. Jahrhundert in der Schweiz abgehalten. Und auch heute gehören die traditionellen Schützenfeste zu den grössten Sportanlässe der Schweiz.

 Sicherheit und Verantwortung
Bevor ein Jugendlicher überhaupt einen Jungschützenkurs besuchen kann, muss er obligatorisch einen theoretischen Kurs zur Sicherheit und zum Umgang mit der Waffe absolvieren. Erst dann wird er intensiv auf das Schiessen vorbereitet. Das Training im Jungschützenkurs findet für Laura bei den Stadtschützen Bern Samstags auf der Schiessanlage Riedbach statt. Es dauert einen ganzen Vormittag. Dabei kommt auch das Gespräch mit der Leiterin oder dem Leiter nicht zu kurz. Für jedes Training wird ein Ziel vereinbart, an dem Laura arbeiten möchte. Bevor sie die Waffe nutzen kann, muss die Schützin die vier Sicherheitsregeln aufsagen. Denn die Sicherheit und der verantwortungsvolle Umgang mit der Waffe sind die zentralen Punkte, die jeder Schütze befolgt. Die Waffe wird im Vereinshaus gesichert verwahrt und der Schützin für das Training geliehen. Dass die Waffe nach dem Training geputzt und in einem einwandfreien Zustand in die Waffenkammer zurückgegeben wird, versteht sich.

 Fokus und Ruhe
«Beim Sportschiessen liegt die Faszination in der Kombination von Statik, Dynamik, Konzentration und Kraft. Nur eine absolute Körperbeherrschung und hohe Fokussierung der Aufmerksamkeit lassen die Schützin oder den Schützen erfolgreich sein.» heisst es beim Bundesamt für Sport BASPO. Gerade diese Herausforderungnen haben auch Laura Wittmer begeistert. Für eine guten Treffer sind eine besonnene Atemtechnik und starke mentale Ruhe wichtig. Laura hat gelernt, sich auf den Augenblick der Schussabgabe zu konzentrieren. Hier muss der Körper extrem ruhig sein, sie darf nicht atmen und muss exakt zielen. Dieser Fokus fasziniert die Schützin sehr. Sie hat gelernt, sich nicht ablenken zu lassen, immerhin schiessen viele Schützen gleichzeitig. Nur auf ihr Inneres zu hören und sich auf sich selber und ihre Atmung zu konzentrieren, hat Laura auch für ihren Alltag gestärkt.

Ob Laura die Schüsse nach Geschwindigkeit oder nach Präzision übt im Training, hängt vom Wettkampf ab, den sie vorbereitet. Jährlich nimmt sie an vier bis sechs verschiedenen Wettkämpfen teil, wo bei guten Leistungen sogenannte Kränze (wertige Medaillen) errungen werden. Bei diesen werden unterschiedliche Programme abgerufen, zum Beispiel 6 Schüsse in 60 Sekunden oder eben Schüsse auf verschiedene Scheiben. So sehen die Übungen im Training immer wieder anders aus. Aber allemal wird nach dem Schiessen die Waffe geputzt und mit den Schützenkollegen ausgiebig die Trainingseinheit diskutiert.

 Laura Wittmer wohnt mit ihrer Familie am Seftaurain. Die 18-jährige Gymnastin wird im Sommer erfolgreich ihre Maturität am Gymnasium Neufeld absolvieren. Anschliessend plant sie den für Frauen freiwilligen Militärdienst zu leisten. Und danach möchte sie gerne zur Polizeischule. Dies ist ein nicht alltäglicher Weg und schon gar nicht für eine Frau. Aber es entspricht schon sehr lange ihrem Wunsch. Dabei haben sie die fünf Jahre im Schützenverein eher bestärkt. Denn das gängige Vorurteil, dass in einem Schützenverein nur herumgeballert wird, kann sie nicht verstehen. Im Gegenteil, den Schützen ist sehr wohl bewusst, dass sie mit einer tödlichen Waffe umgehen und im Umgang zeigen die Schützen eine grosse Verantwortung und Besonnenheit.

Laura hat ihren Sport gefunden. Und dabei viel über sich selbst gelernt. Wir wünschen Ihr für ihre Zukunft alles Gute und viel Zielsicherheit.

Bericht: Jutta Vering (Text) und Nadine Monnier (Fotos) - Morgenblatt 'drWecker' Bremgarten BE

 

03.04.2020 / Victor Maeder